Mama, ich bin endlich zuhause!

Mein Name ist Emily. Ich bin inzwischen ganze 14 Jahre alt und meine Geschichte geht so…

Ich hatte ein tolles Zuhause. Nur Mama, Papa und ich. Ich durfte täglich nach draußen, denn ich war eine waschechte Freigängerin. Mein Leben hat mir Spaß gemacht. Ich konnte so viel Mäuse fangen wie ich wollte und in der Sonne schlafen. Ich habe es geliebt.

Eines Tages war ich aber nicht mehr alleine. Mama und Papa brachten zwei junge Katzen mit nach hause. Sie sagten mir, “Emily, dass sind deine neuen Brüder. Die wohnen jetzt auch hier.” Ich hab das nicht verstanden. Wieso sollte ich meine Wohnung, mein Essen und meine Toilette auf einmal teilen? Ich war doch glücklich so wie es war. Meine beiden Brüder hatten noch so viel Energie. Sie spielten so viel miteinander. Ab und zu fingen sie an mich zu ärgern. Das gefiel mir ganz und gar nicht. Ich wollte doch meine Ruhe. Eines Tages ärgerten mich meine Brüder wieder. Plötzlich erschrak ich mich. Ich weiß nicht mehr wieso, ich weiß nur noch, dass ich vor lauter Schreck los gelaufen bin. Ich lief und lief und lief immer weiter. Ich lief so weit, dass ich die Häuser und Büsche nicht mehr erkannte. >>Irgendwas roch hier komisch.<< Alles sah so anders aus. >>Mama, wo bin ich? Ich will wieder nach Hause.<< Ich lief weiter, versuchte den Weg wieder zurück zu laufen. Ich schrie, “Mama, wo bist du?” doch Mama hat mich nicht gehört. Niemand hörte mich. Ich hatte solche Angst. Wo war ich nur? Die erste Nacht war die Hölle. Es war so kalt, sodass ich fror. Der nächste Tag war nicht viel besser, genauso wenig wie die darauf folgenden Wochen. >>Mama, glaub mir, ich wollte nicht weglaufen. Ich vermisse dich so sehr. << Ich ernährte mich von Mäusen, die ich mühsam fing und von Essensresten. Die waren so ekelig. Für meinen Geschmack viel zu salzig. >>Mama, ich will nach Hause.<<

Ich weiß nicht mehr wie lange ich unterwegs war. Mein Gedächtnis ist nicht mehr das Jüngste. Langsam wurde mein Fell immer filziger. Ich stank. Mein Fell war kein Fell mehr sondern bestand nur noch aus einzelnen Filzplatten. Die einzigen Freunde die ich hatte waren die Zecken und Flöhe, die auf mir wohnten. Nach und nach verlor ich meine Zähne, bis ich keine mehr im Mund hatte. Ich hatte so großen Hunger. Mäuse fangen ging jetzt nicht mehr.
Mein Magen knurrte, als wäre ein Rudel  hungriger Wölfe in mir.

Ich wurde schwächer, ich konnte mich kaum noch auf meinen Beinen halten. Irgendwann klappte ich nur noch zusammen. >>Mama, hilf mir!<<

Aufmerksame Menschen haben mich gefunden. Sie nahmen mich hoch und brachten mich sofort in eine Tierklinik. Dort war es so schön warm. Die Menschen mit den weißen Kitteln haben mich mit Nadeln gepiekst um mir Flüssigkeit zu geben. >>Aua, das tat so weh.<< Aber mir ging es dadurch besser. Noch am selben Tag, kam ich ins Tierheim. Die Menschen dort waren alle sehr freundlich und haben mich trotz meines Aussehens in den Arm genommen. >>Oh, wie hab ich das vermisst?!<< Auch wenn die Menschen alle sehr lieb waren, wollte ich nur zu meiner Mama. >>Mama, suchst du mich noch?<< Zum Glück hatte ich ein Gangtattoo im Ohr, welches noch nicht ganz verblasst war. Siehe da, ich war bei Tasso registriert. Leider hat man meine Mama nicht erreicht. Ich kam in ein Gehege. Die Menschen gaben mir Futter und Wasser. Endlich wieder gutes, leckeres Katzenfutter. Ich hab mir meinen ganzen Bauch vollgeschlagen. Das war so lecker. Ich hab alles aufgegessen. Ich habe von den lieben Menschen dort viel Aufmerksamkeit bekommen. Doch die anderen Katzen, die da wohnten, wollten auch welche und somit blieb ich wieder alleine in meinem Gehege zurück. Ich hatte so viel Angst. >>Mama, ich bin hier!<<

Meine Mama hatte schließlich ihren Anrufbeantworter abgehört und sofort im Tierheim angerufen. Sie kam mich abholen. Nach über 4 Jahren habe ich den Weg von Lotte zurück nach Osnabrück zu meiner Mama gefunden. “Mama, ich bin so froh dich zu sehen. Mama, ich hab dich so lieb. Mama, bitte weine nicht, ich bin ja jetzt da. Mama, ich bin endlich zuhause!”